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Theologie und Weltbild

 

Wunder

 

Gibt es Wunder? Selbstverständlich. Was soll die Frage? Wer alle Wunder erklären will und die unerklärbaren leugnet, verfälscht Wahrheit und Wirklichkeit.

 

Kann Sonne und Mond still stehen im Tale Gibeon und der Zeiger an der Sonnenuhr Hiskias rückwärts laufen? Unmöglich. Blindenheilungen und Erweckung von Scheintoten ja, auch andere Heilungen, wie sie heute noch vorkommen, allezeit vorkamen, ja, die sind gestattet und glaubhaft. Aber Jungfrauengeburt und Totenauferstehung? Diese überfordern unser Verständnis, wir müssten unseren Verstand opfern, ebenso bei Meereswandel und Brotvermehrung. Nein, das geht nicht!

 

Gibt es Wunder? Es könnte die Gegenfrage gestellt werden: Gibt es Zauberei? Die Antwort lautet dann: Geschwindigkeit ist keine Hexerei! Und: Tricksen ist fürwahr nicht hexen. Wer aber auf dieser Schiene (Zauberei = Geschwindigkeit und Geschicklichkeit des Handelns + einige Tricks) die Wunder erklären und teilen will in solche, die erklärbar und darum nicht „gegen die Natur“ sind, wie auch die andern, die nicht erklärbar, die gegen die „Natur“, gegen die „Physik“, „Astronomie“ und damit gegen das „wissenschaftliche Weltverständnis“ sind, muss Schiffbruch erleiden am christlichen Glauben, denn in diesem Punkt steht die Christenheit geschlossen da: Ich glaube dass Jesus Christus, wahrhaftiger Gott, vom Vater in Ewigkeit geboren und auch wahrhaftiger Mensch, von der Jungfrau Maria geboren, sei mein HERR. Dies ist das Schibbolet (Ri.12,6), das innerhalb der Christenheit die Glaubenden von den Nichtglaubenden trennt, wobei der Prüfende allein Gott selber ist, nicht wir Menschen. Denn die Erläuterungen, die ernst zu nehmende Theologen vorbringen, um dieser Aussage alles wissenschaftlich Anstößige zu nehmen (ich denke vor allem an evangelische Theologie), wollen allein der Wegverbreiterung dienen, damit viele in den Himmel kommen. Wir sollten das Wort Jesu von schmalem Weg und enger Pforte einerseits, breitem Weg und weiter Pforte andererseits (Mt.7,13f) so verstehen, dass damit niemandem der Weg in den Himmel gewehrt ist. Er steht nicht im Gegensatz zu der Tatsache, dass Gott will, dass allen Menschen geholfen werde.

Zauberei ist übrigens mit Geschwindigkeit und einigen Tricks nicht erklärt. Die Hexe von Hamburg (TV).

 

Glaubst du nicht, und das heißt: Vertraust du nicht dem Mann, der in der Mitte steht, so wird dein Leben ärmer. Meinen Verstand muss ich dabei nicht opfern, auch wenn ich nicht alles erklären kann. Es gibt noch vieles andere in dieser Welt, was wir nicht erklären können und dennoch damit leben. Wie komme ich dann damit zurecht?

 

Wir alle akzeptieren kleine Wunder, wie sie sich im Leben vieler Menschen zutragen, ohne sie erklären zu können, warum nicht auch die großen? Wer darf sich selbst zum Maßstab setzen? Es kommt uns nicht zu. Die Messlatte ist Gottes.

 

Kann ich noch mehr dazu sagen? Ich sage: Was im Tale Gibeon und bei Hiskia geschah, das weiß ich nicht, kann es auch nicht nachvollziehen. Aber auch die anderen Wunder, sind entweder unerklärbar oder keine Wunder. Wunder unserer Zeit erleben wir mitunter auch: Sekunden, die sich zu Ewigkeiten dehnen. Vielleicht geschah in Gibeon wirklich nicht mehr, als dass der Tag, der viel zu kurz war, um einen Sieg zu erlangen, so lange dauerte, dass es zu dem Sieg völlig genügte. Oder umgekehrt: Dass die Kämpfer von Siegeszuversicht so erfüllt wurden, dass sie an jenem Tag einen völligen Sieg erkämpften, was bei dem Ausmaß der Schlacht schlichtweg unmöglich war. Nein, wie es wirklich war, weiß ich fürwahr nicht. Wenn ich es wüsste, wäre es wohl kein Wunder mehr. Aber ich bin gewiss, dass Gott mehr kann, als wir ihm zutrauen. „Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind“ gilt. Wir vertrauen Gott, der allmächtig ist und alles tut für seine Kinder.

 

Trau ich der Totenauferstehung nicht, was ist mein Glaube dann noch wert?

 

Bleiben wir dessen eingedenk, dass in unserer eigenen Vergangenheit (die in unserem Gedächtnis verlängerte Gegenwart ist), manche Erinnerungslücke klafft. Nicht nur ungeklärte Fälle in Polizei- und Gerichtsakten, in Geschichtsdarstellungen, ungelöste wissenschaftliche Probleme, welche die Zahl der gelösten übersteigen, sollten die Tatsache, dass dem kleinen Ausschnitt des uns Bekannten und von uns Erkannten gegenüber die Weite des Unbekannten steht, die nicht nur das riesige Weltall erfüllt, sondern auch diese Erde und was auf ihr lebt und webt. Diese Tatsache blendet jeder für sich gern aus. ADAM will Gott gleich sein.

 

Im Mittelalter, als die Pest aufkam, hielt man sie für eine Gottesgeißel, denn Lebewesen in der Größenordnung von Bazillen und Viren, gehörten noch der unsichtbaren Welt an und die unsichtbare Welt ist urtümlich Gottes. Ein Wunder war es damals, wie diese Krankheit sich verbreitete, noch mehr, dass nicht alle starben. Pfarrer gab es, die den Kranken die Sterbesakramente reichten und am Leben blieben, andere die selber erkrankten und starben. War das nicht ein Wunder? Die einen trauten auf Gott, wie die andern.

 

Jeder Arzt erlebt Wunder, muss aber um der Wissenschaft willen diese untersuchen, hinterfragen und darf – ob Gottesleugner oder gläubiger Christ – ahnend, an der Ausweitung unseres Erkenntnisstandes und der sichtbaren Welt beteiligt sein.

 

So lange wir noch in der sichtbaren Zeitlichkeit leben, sind wir umgeben von Wundern. Wer diese auf unser Noch-nicht-Wissen reduzieren will, verkürzt seine eigene Weltsicht, sein Weltbild in unangemessener Weise. Aber letztlich ist jeder für sein eigenes Weltbild, seine Weltanschauung und Gottesglauben selber verantwortlich.

 

 
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